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Unser Diversitätsprozess bis heute - ein ausführlicher Bericht

Blog

Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung

Oktober 2023 bis Oktober 2024


Johanna Amelie war bis Oktober 2022 Assistenz des Vorstands. Nach der Elternzeit schlug Johanna dem Vorstand vor, eine neue Stelle zu schaffen, die für die diversitätsorientierte Organisationsentwicklung Verantwortung trägt. Der Wunsch nach Veränderung, mehr Inklusivität und der Wunsch nach einer Namensänderung waren im Verein schon lange Konsens, jedoch waren bisher auf Grund der überwiegend ehrenamtlichen Tätigkeiten kaum Kapazitäten da, das Thema strukturiert anzugehen. Johanna verfügt über eine 10 jährige Expertise im Bereich der feministischen Communityarbeit und ist Musikerin, Musikproduzentin und Elternteil. Der Verein finanzierte ihr die Weiterbildung zur Diversitäts Fachkraft (IHK). Diese dauerte drei Monate und Johanna schloss die Ausbildung 2023 erfolgreich ab. Die neue Stelle wird von der Initiative Musik Infrastrukturförderung finanziert.Die Assistenzstelle wurde neu ausgeschrieben. Bei der Auswahl der neuen Person wurde auf Kompetenzen geachtet, die dem Verein beim Aufbau einer Diversitäts orientierten Organisationsentwicklung unterstützen können. Mit Sherin Striewe, Aktivist*in, Bildungsreferent*in und Artist wurde das Team ergänzt.


Im Zeitraum Januar bis März entwickelte Johanna ein eigenes Workshopkonzept, das die Sensibilisierung für Diskriminierung, für Tokenism, für Intersektionalität und die Reflektion der eigenen Privilegien zum Ziel hatte, sowie die Wissensvermittlung zu den Themen Diversity und Inklusion im Fokus hielt. Der Workshop wurde um die Serie “Clashing Differences” von Merle Grimme herum entworfen, da die Serie feministische Debatten sowie Inhalte aufgreift, mit denen sich Music Women* Germany beschäftigt.


Im März 2024 fanden alle Vereins internen Workshops statt. Teilgenommen haben insgesamt 25 Personen, davon drei Vorstandsmitglieder, 6 Vereins- Mitglieder und 16 Komiteemitglieder, aufgeteilt auf einen Online Workshop und drei Live Termine in Köln, Berlin und Stuttgart. Die Teilnehmenden erarbeiteten nach einer Input Phase eigene Ideen für Maßnahmen zur diversitätsorientierten Organisationsentwicklung des Vereins sowie neue Namensvorschläge. 

Durch die Workshops wurde eine Wissensgrundlage geschaffen, die alle Teilnehmenden auf einen Stand brachte. Es wurden gemeinsam Ideen entwickelt für Maßnahmen, die Diskriminierung im Verein abbauen und Strukturen aufbauen, die mehr Teilhabe ermöglichen.Zur konkreten Umsetzung der Ergebnisse, erstellte Johanna zusammen mit dem Vorstand einen zeitlichen Etappenplan.


Im Anschluss an die Workshops gab es viel Diskussionsbedarf, da viele Komiteemitglieder sich gegen eine schnelle Entscheidung zur Umbenennung des Vereins aussprachen. Der Wunsch nach einer genaueren Definition unserer Zielgruppe kam auf. 

Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass sich der Verein für Geschlechtergerechtigkeit in der Musikbranche stark macht, aber es wurden durch den Begriff Frauen* nicht alle Geschlechter und alle Menschen, die vom Patriarchat marginalisiert werden, als Zielgruppe der Aktivitäten mitgedacht. Der Vorstand und die Komiteemitglieder besteht zu diesem Zeitpunkt überwiegend aus cis-weiblichen Mitgliedern.

Johanna empfahl dem Vorstand, externe Expert*innen im Prozess hinzuzuziehen. So wurden ein Workshop zum Thema Gendervielfalt und eine Prozessbegleitung für das Projekt: neues Mission Statement gebucht.

Vier von Fünf Vorständinnen nahm zusammen mit zwei Komitee Mitgliedern und Johanna an einem dreistündigen Weiterbildungsworkshop zum Thema Geschlechtervielfalt mit der Referent*in Sherin Striewe teil. In diesem Workshop wurden die Unterschiede zwischen sozialem und biologischem Geschlecht sowie die Problematik von Cis-Normativität und der FLINTA*-Begriff besprochen, der sich im Wandel befindet und versucht, alle Geschlechter einzuschließen, die patriarchale Gewalt erfahren. 


Es wurde hervorgehoben, dass FLINTA* kein Synonym für „weiblich“ ist und dass das L für Lesben wichtig ist, da ihnen ihre Weiblichkeit aufgrund der sexuellen Orientierung historisch oft abgesprochen wurde und sie seit jeher tragende Rollen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit einnehmen. Der Workshop beleuchtete die Konstruktion von Geschlecht und die Vielfalt innerhalb des Transgender-Spektrums, betonte die Bedeutung der Selbstbezeichnung und hinterfragte cis-normative Perspektiven.

Die Diskussion um den Ausschluss von cis Männern und die Rolle von Intersex- und nicht-binären Personen zeigte die Komplexität von Geschlechteridentitäten und die Notwendigkeit, niemanden zum Outing zu zwingen. Abschließend wurden in einem intersektionalen Ansatz die kolonialen Wurzeln der binären Geschlechterordnung und deren Gewalt Aspekte thematisiert.


Einstimmig wurde beschlossen, dass unsere Zielgruppe ab sofort nicht mehr nur “Frauen*” heißen kann, sondern Frauen, Lesben, Inter-Personen, nicht binäre Personen, trans Personen und agender Personen einschließt. Mit diesem Beschluss war die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen gelegt worden. Anschließend daran fand die Überarbeitung des Mission Statements (durch Vorstand, in Begleitung der Diversitätsbeauftragten Johanna Amelie Storck und Khaloh - einer externen Prozessbegleitung) statt. Khaloh lieferte uns wertvolles Feedback.“Der Vorstand darf und muss sich stärker in die diversitätsorientierte Organisationsentwicklung einbringen, die Aufgabenverteilung verbindlich regeln und eine langfristige Diversitätsstrategie entwickeln. Der Prozess erfordert Zeit und kontinuierliche Anpassungen, um nachhaltige Strukturen zu schaffen, die FLINTA-Personen wirklich einbeziehen. Es gibt Bedarf, das Mission Statement zu überarbeiten, insbesondere in Bezug auf Diskriminierung, Privilegien und die Einbindung von Intersektionalität. Zudem sollte der Vereinsname Niederschwelligkeit und Klarheit über die Zielsetzung in der Musikbranche fördern.”Unser neues Mission Statement ist seit dem 30.8. öffentlich auf der Website zu lesen.


Johanna entwickelte mit Leandra und Amelie aus dem Vorstand einen Kommunikationsleitfaden. Der Kommunikationsleitfaden des Vereins stellt sicher, dass alle Mitglieder und Beteiligten einheitlich und effektiv kommunizieren, wobei diskriminierungssensible Sprache und einheitliche Begrifflichkeiten zentral sind. Es werden klare Richtlinien für interne und externe Kommunikation sowie für die Nutzung verschiedener Kommunikationskanäle wie E-Mail, soziale Medien und Meetings festgelegt. In Krisensituationen gibt es spezifische Abläufe, um transparent und empathisch zu reagieren. Schulungen und regelmäßige Überprüfungen des Leitfadens gewährleisten, dass er den aktuellen Anforderungen entspricht und konsequent umgesetzt wird.

Des Weiteren schrieb Johanna das Glossar für die Website. Dieses Glossar enthält 33 Begriffe, die wir auf unserer Website verwenden. Es soll als Nachschlagewerk dienen und in unserer Kommunikation Verständnis Barrieren abbauen.Für die Gender Equality Konferenz schreiben Johanna und Sherin ein Awareness Konzept für Veranstaltungen. Das Awareness Konzept als Mini-Kompakt Version:


“Mit der Teilnahme an unserer Veranstaltung stimmst du unserem Verhaltenskodex zu, der jegliche Form von Diskriminierung und Belästigung strikt untersagt. Wir schaffen einen respektvollen Raum, in dem alle sich sicher und akzeptiert fühlen sollen, und bitten darum, individuelle Grenzen zu achten und uns noch unbekannte Menschen gender neutral anzusprechen. Bei Vorfällen oder für Feedback steht unser Awareness-Team, erkennbar an pinken Westen, zur Verfügung; Kontakt ist auch nach der Veranstaltung per E-Mail möglich.”


Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Komiteemitgliedern, Vorstandsmitglied Amelie und der Diversitätsbeauftragten, entwickelten an zwei Terminen einen Code of Conduct. Der Code of Conduct von Music Women* Germany fördert eine respektvolle, inklusive und diskriminierungsfreie Zusammenarbeit innerhalb des Vereins und mit externen Partnern, wobei FLINTA*-Personen im Mittelpunkt stehen. Der Verein setzt auf klare Werte wie Respekt, Achtsamkeit, Transparenz und Verantwortung und duldet keinerlei Diskriminierung. Die Zusammenarbeit erfolgt unter Einhaltung verbindlicher Regeln und einer Null-Toleranz-Politik gegenüber Diskriminierungen. Bei Verstößen gegen den Code of Conduct gibt es klare Konsequenzen, die bis zum Ausschluss aus dem Verein führen können



Unser großes Ziel, die Umbenennung des Vereins, haben wir noch nicht erreicht. Wir sammeln weiter Namen und tauchen tiefer ein, um den Titel unserer Arbeit zu finden. 


Auf der im Juni durchgeführten Konferenz wurde das Gelernte in die Veranstaltungsplanung implementiert:


1. Unser Awareness Konzept galt als Grundlage für die Teilnahme am Event und das Awareness Team (Roses of Care) war vor Ort, um das Konzept mit uns umzusetzen und Ansprechpartner*innen für Betroffene zu sein.

2. Auf der Konferenz wurde eine Kinderbetreuung angeboten, so dass Teilnehmende mit Kindern unser Angebot wahrnehmen konnten.

3. Bei der Besetzung unserer Panels wurde darauf geachtet, möglichst die Sichtbarkeit und Teilhabe derer, die weniger privilegierte Positionen in der Gesellschaft innehaben und mehrfach marginalisiert werden, zu verstärken.

Das Feedback zur Konferenz war sehr positiv. Das Awarenessteam wurde als eine sehr positive Maßnahme bewertet.

Am 09.09. findet ein zweiter Termin mit unserer Prozessbegleitung Khaloh statt. Als Vorstand des Vereins befinden wir uns in einem fortlaufenden Prozess der Selbstreflexion. 


Veröffentlicht am 09.09.2024
Unser Diversitätsprozess bis heute - ein ausführlicher Bericht

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℅ RockCity Hamburg e.V.

Sternstraße 420357 Hamburg
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